Die Dominospieler

Immer wenn ich durch Amberg gefahren bin, habe ich sie gesehen: ältere Herrschaften, die in der Nische der Warenausgabe/-annahme eines Möbelhauses um einen Tisch saßen und den Tag damit verbrachten Domino zu spielen. Ich hatte mir schon längst mal vorgenommen, dort vorbeizugehen um ein paar Fotos zu schießen. Menschen an sich faszinieren mich. Und erst Recht deren Geschichten.

Ich wusste, dass sie immer sonntags dort spielen würden, weil das Möbelhaus geschlossen hat und sie dort ungestört ihrem Hobby nachgehen konnten. Dort angekommen sah man mich zunächst verwundert an, aber dennoch begrüßte man mich herzlich, als ich ihnen erklärte, weshalb ich hier bin. Die Idee sie beim Spielen zu fotografieren, gefiel auf Anhieb nicht allen. Klar, wer lässt sich schon gerne einfach so fotografieren. Dennoch durfte ich zwei Schnappschüsse machen.

Ich verbrachte dort eine Weile und so kamen wir ins Gespräch. Alle dort waren freundlich und nett, herzlich und offen für „Besucher“. So erfuhr ich, dass der ursprüngliche „Spielort“ in der Nähe eines Kindergartens war, aber durch Umbaumaßnahmen mussten sie den Platz dort verlassen und so kam es, dass sie „Zuflucht“ unter dem Dach des Möbelhauses fanden. Die Herrschaften sind allesamt geschätzt zwischen 50 und 80 Jahre. Erst am Freitag ist einer von ihnen an Krebs gestorben. Schrecklich wie ich finde. Jeder sah sehr betroffen aus, als wir darüber sprachen. Diese Männer sind Freunde. Es scheint fast so, als wären sie eine seit Jahren eingeschworene Gruppe. Doch das entspricht nur zum Teil der Wahrheit, denn einige kamen erst die letzten Jahre hinzu. So wurde die Gruppe immer größer.  Sie nutzen jede freie Zeit um miteinander Domino zu spielen. Viele von ihnen sind russischer Abstammung. Einer von ihnen kam aus Stuttgart und wohnt nun seit einigen Jahren in Amberg.

Aus aller Welt kommen sie hier zusammen um eine gemeinsame schöne Zeit zu haben. „Sollte das nicht immer so sein?“ fragte ich mich, als ich nach Hause fuhr, nachdem ich mich bei jedem Einzelnen verabschiedet hatte. Von diesen Dominospielern können wir also so einiges lernen. Miteinander – nicht gegeneinander, denn wir sind alle nur Menschen.

Die Bilder wurden nicht perfekt, aber vielleicht erlauben sie mir ja irgendwann nochmal ein paar Fotos zu machen, denn so freundlich wie ich dort emfpangen wurde, denke ich, dass ich dort irgendwann wieder vorbeischauen werde. Vielleicht erfahre ich dann wieder mehr interessante Geschichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code